Play for a better tomorrow

Mit der Ankunft zurück in Sambia ging eine Woche voller Emotionen, hoch und tief, unendliche Freude und tiefste Trauer, Sieg und Niederlage, zu Ende.

Trotz allem auf und ab war es auf jeden Fall einer der besten, wenn nicht sogar die beste Woche, die ich hier erleben durfte. Ich habe so viel gelernt und werde jetzt versuchen das alles irgendwie in Worte zu fassen.

Am besten beginne ich einfach mal da, wo ich im letzten Blogpost (mittlerweile schon etwas her) aufgehört habe: Die Schulen haben zwei Woche, bevor wir losgefahren sind, geschlossen, sodass wir sehr viel mehr Zeit hatten und dementsprechend auch mehr trainiert haben. Die meisten Tage waren die Jungs von morgens bis abends auf dem Platz. Da ich an der Nekacheya vormittags Ferienprogramm angeboten habe, bin ich meist zur Mittagspause dazu gestoßen: rechtzeitig zum Skip Bo spielen, was, seitdem meine Mutter die Karten mitgebracht hat, fester Bestandteil unserer Tagesroutine ist. Die Jungs lieben das Kartenspiel zum Glück genauso sehr wie ich und haben jedes Mal schon darauf gewartet, dass ich mit den Karten komme.

Abgesehen vom Training und Kartenspielen, gehörte auch Fundraising zum täglichen Programm in den Wochen vor der Abreise. Leider war die Unterstützung der Community nicht so gut wie gehofft, sodass wir bis zum letzten Tag Spenden sammeln mussten.

An dieser Stelle auch nochmal VIELEN DANK an alle, die “mir” gespendet haben, denn ohne diese Spenden hätten wir überhaupt nicht auf das Turnier fahren können.

Am letzten Abend in Livingstone haben wir gemeinsam im Clubhaus gekocht und zu Abend gegessen. Die Jungs haben dann mit dem Co Trainer Brian im Clubhaus geschlafen. Ich bin nach Hause gefahren, um noch zu packen, da ich es im ganzen Stress vorher noch nicht geschafft hatte. Am nächsten Morgen habe ich mit dem Coach und dem Bus, der uns zur Grenze brachte, die Jungs am Clubhaus eingesammelt.
Dieser Bus war für 15 Personen gemacht und wir haben uns (klassisch afrikanisch) zu 20zigst plus Fahrer, Geldsammler, Rugby Equipment und einigen Reisetaschen Taschen hineingequetscht. An der Grenzen haben wir die Formulare für alle ausgefüllt. Auf der Simbabwischen Seite sind wir dann in den Bus gestiegen, der uns in die simbabwische Hauptstadt Harare bringen sollte.
Mit diesem Bus sind wir dann erstmal ca. 2h durch die Grenzstadt gefahren, da der Fahrer nicht nur zum Frühstücken zu Mutti gefahren ist, er hat auch noch einige Leute eingesammelt und irgendwo hingebracht, tanken mussten wir dann auch noch. An diesem Punkt musste ich feststellen, dass ich hier in Afrika zwar sehr viel gelassener geworden bin, aber das ging meinem deutschen Pünktlichkeits- und Pflichtbewusstsein dann doch zu weit. Wir haben den Bus schließlich für einiges an Geld gebucht.

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Schließlich sind wir dann doch nach ca. 16 Stunden in Harare angekommen, auch wenn es eigentlich als 12 Stunden Fahrt geplant war, ist es ja doch das Wichtigste, das wir heil angekommen sind. Auf halber Strecke gab es noch eine Überraschung für die Jungs und auch für mich: Der Coach hat Caps mit dem Team- Rhinologo und der jeweiligen Spielernummer für die Jungs anfertigen lassen, für mich stand MP anstatt der Spielernummer drauf. Die Jungs haben sich sehr gefreut und die Caps haben unser Turnieroutfit perfekt zusammengefügt.
Aufmerksame Leser fragen sich jetzt vielleicht warum wir trotz Schwierigkeiten beim Spendensammeln, überhaupt Caps und Hoddies haben anfertigen lassen.
An dieser Stelle möchte ich deshalb etwas mehr auf unsere Entscheidung eingehen. Dieses Turnier ist das größte Schulrugbyfestifal in der ganzen Welt, hinzukommt, dass das Schulsystem in Zimbabwe sehr viel besser ist, als das Sambische. Dementsprechenden sieht man auf dem Turnier quasi ausschließlich Mannschaften von sehr guten Schulen, die ein komplettes Rugbykit haben und meist auch darüber hinaus gesponsert sind.
Unsere Jungs hingegen besitzen so etwas nicht, ihrer Trikots sind Spenden, ohne Nummern auf dem Rücken, die Hosen und Socken aus anderen Spenden dazu gewürfelt. Allerdings können die Jungs auch nicht 7 Tage die Woche mit den gleichen Outfits rumlaufen, zu mal sie in den Sachen ja auch Rugbyspielen und sie somit schnell dreckig werden.

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Alle unsere Spieler kommen allerdings aus benachteiligten Familien, die meisten Essen höchstens 2x am Tag, da kommt ordentliche Kleidung natürlich zu kurz. Durch das Rugby und fleißige Spendender (Vielen vielen Dank auch noch mal an dieser Stelle an alle, die etwas gespendet haben!) haben die meisten Jungs nun 3-4 Sportshirts, allerdings nichts Einheitliches.
Deshalb kamen die Pullover und die Caps ins Spiel, so konnten wir gemeinsam einheitlich als Team über das Gelände laufen. Man muss sich auch bewusst sein, dass wir das Einzige Sambische Rugby Team dort waren und somit auch Sambia repräsentiert haben. Da ist es einfach sehr wichtig, einen guten Eindruck zu hinterlassen, um hoffentlich auch langfristige Beziehungen und vielleicht sogar Partnerschaften aufzubauen. Von dem Feedback, dass wir bekommen haben, denke ich, dass wir es geschafft haben unser Team gut zu präsentieren. Unser Coach und unser Captain wurden auch für das Simbabwische Fernsehen interviewt und bei der Abschlussfeier wurde unser Coach gebeten, eine kurze Rede zu halten.

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Hinzu kommt natürlich, dass dies ein (hoffentlich nicht) einmaliges Erlebnis für die Jungs war und sie so eine Woche komplett ihre Sorge und Probleme von zu Hause vergessen konnten, davon mal abgesehen ist es auch einfach eine super Erinnerung für die Jungs und etwas dass sie sich nach all dem Training wahrlich verdient haben.
Dies nur als kleine Erklärung, da wir schon beim Spendensammeln fragen bekommen haben, ob die Kleidung wirklich notwendig ist.

Also zurück zur Ankunft in Harare: Da wir mit einiger Verspätung ankamen, hat der Turnierdirektor schon geschlafen und wir mussten ihn wecken, damit er uns zu unserem Schlafplatz bringen konnte.

Das ganze Event fand auf dem Gelände der Prince Edward Boarding Highschool statt, sodass es glücklicherweise Schlafsäle gab, in dem wir dann auch untergebracht wurden. Da ich als Mädchen nicht bei den Jungs schlafen durfte, habe ich mein eigenes kleines Zimmerchen gleich neben an bekommen. Mir ist sofort beim ersten Kontakt mit den Leuten in Zimbabwe aufgefallen, dass alle sehr höflich, offen und zuvorkommend waren. Am ersten Abend haben wir nur noch unsere Betten bezogen und sind dann nach der langen Anreise auch schon ins Bett gefallen.

Am nächste Tag standen neben Akklimatisieren und Ausruhen natürlich auch kleine Trainingssession auf dem Plan. Hierbei ging es allerdings mehr um Taktiken und den Gameplan. Außerdem haben wir natürlich unser zu Hause für die nächste Woche etwas mehr erkundet. Die meisten Jungs waren letztes Jahr schon auf dem Turnier, trotzdem waren alle wieder beeindruckt als sie die Felder und die Sportanlagen sahen. Auch ich muss sagen, dass ich keine Schule in Deutschland kenne, die 4 Riesensportfelder plus Tennis Pitch, Gym etc. hat, kenne. Mir wurde natürlich im Vorab schon von den Gegebenheiten und den Simbabwischen Schulen vorgeschwärmt. Vor allem von dem Coach des Teams, der selbst in Simbabwe aufgewachsen ist, und während der High-School Zeit dann nach Sambia kam. Er kennt sich dadurch bestens mit den Unterschieden der Schulsysteme aus. Ich muss trotzdem sagen, dass ich sehr beeindruckt war, als ich die Schule erkundete. Vielleicht ist es an dieser Stelle auch wichtig zu erwähnen, dass es sich bei der Prince Edward High-School zwar durchaus um eine öffentliche Schule handelt, sie allerdings trotzdem ca. 1400$ pro Term (3 Terms pro Jahr) kostet. Damit ist sie noch lange nicht die teuerste High-School, Schulgebühren können hier bis zu 5.000$ pro Term gehen. Dafür gelten die simbabwischen High-Schools auch als einer der Besten im südlichen Afrika und viele Eltern, die die Möglichkeit haben, schicken ihre Kids hier zur High-School. Viele dieser Schulen investieren sehr viel in Sport und geben den Kids die Möglichkeit sich in verschiedenen Sportarten auszuprobieren und zu messen. Das wurde mir spätestens bewusst, als an unserem 2. Tag die anderen Schulen anreisten: Alle in eigenem Bus, mit Schullogo drauf und in gutem Zustand. Auch die Ausstattung der Sportler war wie zu vor schon erwähnt sehr gut und die meisten Teams hätten so auch bei einer Europameisterschaft antreten können, ohne aufzufallen, denn die meisten Teams werden hier auch zusätzlich von Sponsoren unterstützt. Genauso wie das gesamte Rugbyfestival,, welches unteranderem von dem Hauptsponsor Dairyboard unterstützt wird. Zusätzlich hatten viele andere Sponsoren ihre Stände auf dem Gelände aufgebaut. Das gesamte Festival war sehr gut organisiert und strukturiert, es gab einen Zeitplan aller Spiele und der wurde auch eingehalten. Zusätzlich gab es für jedes Spiel 3 Schiedsrichter, die dafür sorgten, dass alles fair und geordnet verlief.

Am Montag ging dann das Festival los, der 1. Tag wurde ganz den Spielen der Grundschulen gewidmet. Wir haben uns viele Spiele angesehen und die Atmosphäre aufgesogen. Ich persönlich war extrem von den Grundschülern beeindruckt! Um ehrlich zu sein hatte ich zuvor sogar Zweifel ob man in der Grundschule überhaupt schon Rugby spielen kann, aber die Teams haben mich absolut vom Gegenteil überzeugt. Viele Teams haben trotz der jungen Spieler eine super Leistung geliefert.

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Am gleichen Tag hat es sich auch spontan ergeben, dass wir ein Testspiel gegen die Host Schule Prince Edward gespielt haben. Am Tag zuvor hat der Coach angefragt, ob Interesse besteht und da wir natürlich nach Simbabwe gefahren sind, um zu Spielen haben wir nicht nein gesagt. Denn das ist etwas das den Jungs hier echt fehlt: regelmäßige Spielpraxis, in Livingstone sind sie leider der einzige Rugbyclub und in Sambischen Schulen ist der Sport weit unter dem Niveau der Jungs die regelmäßig trainieren, sodass sie für Spiele oft lange Distanzen überwinden müssen, was leider nicht oft möglich ist.

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Also ging es nach dem Mittagessen auf den Pitch, um gegen das U16 Team der Prince Edward High-School zu spielen. Insgesamt kann man sagen, dass es ein sehr hilfreiches und aufschlussreiches Spiel war. Da wir vorher keine Testspiele spielen konnten, wurde uns so aufgezeigt wo der Spielplan funktioniert und auf welche Details wir achten müssen. Eins wurde nämlich schnell deutlich: die anderen Teams sind deutlich größer und vor allem schwerer als wir. Es liegt vor allem daran, dass die meisten Teams von Boarding Schools kommen, wo sie 3 geregelte Mahlzeiten am Tag haben und teilweise sogar extra Portionen fürs Rugbyteam. Unsere Jungs hingegen kommen aus eher schwierigen Verhältnissen, sodass es einigen nicht mal möglich ist 2 Mahlzeiten am Tag zu essen.

Daher hat der Coach in der Ansprache nach dem Spiel auch nochmal darauf hingewiesen, dass die Jungs lieber den Ball schnell spielen sollen, anstatt in die Tackels hineinzugehen (An dieser Stelle nochmal: Ich bin absolut kein Rugbyprofi und auf die Tour auch mehr als mentale Unterstützung und Begleitung mitgefahren, also falls meine Beschreibungen eher laienhaft sind, Entschuldigung :D). Mit den Eindrücken vom Spiel haben die Jungs noch ein paar Übungen durchgeführt und dann wurde den Rest des Tages auch nur noch entspannt und mental auf das erste offizielle Spiel am nächsten Tag vorbereitet.

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Dazu dann im 2. Teil mehr.
Ich habe mich dazu entschieden die „Zim Posts“ aufzuteilen, da ich momentan einfach sehr viel zu tun habe und nicht oft zum Schreiben komme, damit ihr aber ab und zu etwas zu lesen habt gibt es jetzt Häppchen. Ich hoffe das passt so für euch.

Liebe Grüße
Michelle